Es ist Sonnwend
Die Sonnwendfeste haben in Nord- und Mitteleuropa einen sehr alten Ursprung. Als zu den wichtigsten Festen in der vorchristlichen Welt gehörend, haben sich sowohl die Winter- wie die Sommersonnwendfeiern bis heute erhalten. Die katholische Kirche machte daraus das Fest zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers, wie die Kirche im Zuge der Christianisierung sehr häufig alte heidnische Feste mit einem neuen Sinngehalt versah, um den frisch Missionierten den Wechsel zur neuen Religion zu erleichtern.
Die Sommersonnwende als Feier des längsten Tages und der kürzesten Nacht im Jahr, ist eines der vier großen Sonnenfeste im Jahreskreis. Ihr Gegenstück ist die Wintersonnwende in der längsten Nacht des Jahres. Daneben gibt es noch die Frühjahrstagundnachtgleiche und die Herbsttagundnachtgleiche. Am 21. Juni hat die Sonne den Wendekreis des Krebses und damit ihren nördlichsten Punkt erreicht. Auf der nördlichen Halbkugel sind die längsten Tage und die kürzesten Nächte erreicht. Das Datum fiel auf Grund des Ende des 16. Jahrhunderts entwickelten Gregorianischen Kalenders auf diesen Tag, an dem der Sommer astronomisch beginnt.
Sowohl im germanischen als auch im mittelalterlichen Brauchtum wurden in dieser Zeitspanne viele Zeremonien abgehalten. Die Natur ist auf dem Höhepunkt, und viele Kräuter, deren Nutzen als Arznei nicht nur wegen ihrer wirkungsvollen Inhaltsstoffe, sondern auch wegen ihrer angeblich magischen Wirkungen von herausragender Bedeutung waren, wurden an diesem Tag gesammelt. Oft mußten dabei bestimmte Rituale eingehalten werden, um die ihnen zugeschriebene Wirksamkeit zu verstärken oder gar erst zu ermöglichen. Arnika, Bärlapp, Beifuß, Eisenkraut, Holunder, Kamille, Klette, Margerite, Quendel, Ringelblume und natürlich das Johanniskraut waren, so sie denn an diesem Tag als sogenannte „Johanniskräuter“ gesammelt wurden, besonders heil- und zauberkräftig. Aber nicht nur die Menschen waren Tag und Nacht auf den Beinen, auch Naturgeister wie Elfen, Hexen und Kobolde trieben heftig ihr Spiel.
Die Menschen in der vorchristlichen Zeit wiesen den Wendepunkten innerhalb eines Jahres sehr große Bedeutung zu. Das regelmäßig wiederkehrende Jahr mit seinen verschiedenen Jahreszeiten und den davon abhängigen Vorgängen von Aussaat, Wachstum und Ernte galt als heilig und wurde dem Wirken göttlicher Mächte zugeschrieben. Bräuche und Rituale zur Sonnenwende und Tagundnachtgleiche sollten die Götter gnädig stimmen und guten Ernten herbeiführen.
Feuer, welches oft mit der Sonne assoziiert wurde, spielte in vielen Kulturen bei den Feierlichkeiten eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt stand immer das Abbrennen von Feuer, wie zum Beispiel der
Brauch des Sonnwendfeuers zur Sommersonnenwende. Auch Feuerräder – große Holzräder, die mit Stroh umwickelt waren – wurden brennend von den Bergen gerollt, hölzerne Scheiben auf eine Stange gesteckt, angezündet und dann ins Tal geschleudert. Diese Rituale sollten die Flur segnen, Fruchtbarkeit bringen und galten auch dem Erntedank. Damit sich die Kraft der Flammen auf die Menschen übertrüge, sprangen sie übers Feuer und tanzten um brennende Holzstöße herum. Man hielt einander dabei an den Händen und sang. Tiere wurden durch’s fast herabgebrannte Feuer geführt, um Krankheiten fernzuhalten.
Mit der Sommersonnwendfeier wurde aber nicht einfach nur die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert. Zahlreiche Mythen und Sagen bildeten den Hintergrund des Festes. So sollten in der Nacht der Sonnenwende Elfen tanzen und Trolle umherlaufen. Besonders der Morgentau nach dieser Nacht sollte Mensch und Tier von Krankheiten befreien und wurde deswegen häufig gesammelt. Für unverheiratete Mädchen war Mittsommer ebenfalls ein wichtiges Datum. Schweigend sammelten sie in der Nacht sieben verschiedene Blumen und legten diese unter ihr Kopfkissen. Durch die Magie der Blumen träumten sie in der Nacht von ihrem zukünftigen Ehemann. Jan Ackermeier