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Entscheidungsschlacht gegen den Korsen

Von Jan Ackermeier

Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs - 1913 eingeweiht

Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs – 1913 eingeweiht

Nach der katastrophalen Niederlage Napoleons im Rußlandfeldzug von 1812 schloß General Yorck, der das preußische Hilfskorps für die Franzosen befehligte, mit dem russischen General Diebitsch am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen. Damit wurden die Kampfhandlungen zwischen Preußen und Rußland eingestellt. Das österreichische Hilfskorps unter General Schwarzenberg schloß am 30. Jänner 1813 einen Waffenstillstand mit den Russen, nachdem Österreich bereits vorher Napoleon erklärt hatte, daß es die Stärke des Truppenkontingents für Frankreich auf keinen Fall erhöhen werde. Am 28. Februar unterzeichneten Rußland und Preußen einen Bündnisvertrag und erklärten am 16. März Frankreich den Krieg.

Dies war der Beginn des später so bezeichneten „Freiheitskrieges“ gegen Napoleons Herrschaft in Europa. Das Freiheitsverlangen und die nationale Begeisterung, die sich quer durch alle Bevölkerungsschichten zog, erregten dennoch Ärgernis bei vielen Fürsten, am meisten in Wien. „Der Geist, der durch den allgemeinen Widerstand gegen die französische Herrschaft in Deutschland erwacht, durch die Steinschen Proklamationen mächtig gesteigert, besonders von Preußen aus dergestalt gewachsen war, daß der Befreiungskrieg einem Freiheitskriege nicht unähnlich sah –  gab zu ernsten Betrachtungen und Besorgnissen über die Zukunft Anlaß.“, so äußerte sich Gentz, der engste Mitarbeiter Metternichs.

Tatsächlich befürchtete Metternich, daß die Volkserhebung sich zu einer allgemeinen Freiheitsbewegung steigern, die Fürstenmacht einschränken, die deutsche Einheit und eine allgemeine Verfassung erzwingen könne, kurz, daß das Volk nicht für die Fürsten, sondern für sich selbst kämpfen werde. Alles das zu verhindern, war er entschlossen, danach richtete er bereits vor der Niederlage Napoleons seine Politik. Und bei dieser Politik verfolgte er nicht deutsche Belange, sondern trachtete nur nach dem Vorteil der habsburgischen Hausmacht.

Da dies auch die meisten anderen deutschen Fürsten so sahen und vor allem nach dem Erhalt ihrer eigenen territorialen Macht strebten, wurde der „Freiheitskrieg“ sehr bald zu einem bloßen „Befreiungskrieg“. Dieser wurde aber zwiespältig geführt: mit dem Volk gegen das Volk, gegen die französische Fremdherrschaft für die französische Großmachtstellung, für die Wiederherstellung des Deutschen Reiches und gegen sie, gegen die fürstliche unumschränkte Souveränität und für sie, für eine allgemeine deutsche Verfassung und gegen sie, gegen die Freiheit und für sie, für Gesamtdeutschland und gegen die deutsche Einheit – je nachdem, wer seine Absicht äußerte und die Oberhand behielt.

So begann der Krieg der zunächst drei Verbündeten Österreich, Preußen und Rußland mit einer Niederlage bei Großgörschen am 2. Mai 1813, bei der Scharnhorst seine tödliche Verletzung empfing. Auch die zweite Schlacht bei Bautzen am 21. Mai gewann Napoleon. Mittlerweile hatte sich Metternich eingeschaltet, verhandelte nach beiden Seiten, verschaffte Napoleon einen Waffenstillstand, brachte den Kongreß in Prag zustande und wurde als Friedensvermittler anerkannt. Dennoch scheiterte der Prager Kongreß an den unannehmbaren Forderungen des Korsen, sodaß der Krieg weitergeführt werden mußte.

In seinem Kriegsplan hatte Napoleon vorgesehen, Berlin einzunehmen und zu einem Hauptstützpunkt auszubauen. Gegen Berlin schickte er ein Heer, das von Abteilungen der alliierten Nordarmee unter General von Bülow bei Großbeeren am 23. August geschlagen wurde. Napoleon selbst wandte sich gegen seinen gefährlichsten Gegner, nämlich Blüchers Armee, und warf diese in zwei Gefechten bei Löwenberg und Goldberg am 21. und 23. August über den Katzbach zurück. Da sich nun Napoleon gegen Schwarzenbergs Armee bei Dresden richtete, gelang es Blücher mit Hilfe von Yorck und Schwarzenberg, die französischen Truppen im Raum von Leipzig zusammenzudrängen. Hier erwartete man die Entscheidungsschlacht.

Die „Schlacht bei Leipzig“ –  wie sie zunächst von den Zeitgenossen genannt wurde – war die bis dahin größte in der Weltgeschichte und eigentlich eine Folge aneinanderhängender Schlachten auf verschiedenen Feldern und an verschiedenen Orten rund um Leipzig, denn noch vermochte kein Oberbefehlshaber die Massenheere, die hier erstmalig erprobt wurden, zweckmäßig einzusetzen. Auf seiten der Alliierten gegen Napoleon gab es ohnehin kein einheitliches Oberkommando während des Schlachtgeschehens, das den 16., 18. und 19. Oktober füllte.

Die Schlacht begann am 16. Oktober im Süden, Westen und Norden. Im Süden, bei Wachau, verlief das hier von Schwarzenberg, dort von Napoleon geleitete Treffen unentschieden, ebenso im Westen das Gefecht zwischen Österreichern und Franzosen. Im Norden aber kämpften die Preußen unter Blücher in der mörderischen Schlacht bei Möckern, in der sie den Sieg errangen. Blücher hatte erkannt, daß sonst Napoleon alle seine Truppen gegen Schwarzenberg vereinigt und ihn dann geschlagen hätte.

Von günstig gelegenen Dächern in Leipzig aus konnte man die Kämpfe im Süden und Westen mittels eines Fernrohres verfolgen. Einer von denen, welche dies taten, Friedrich Rochlitz, hat noch am selben Abend davon berichtet: „Die Franzosen hatten die Anhöhen um Wolkitz und gegen Wachau hin noch ganz inne. Die Kanonade nicht nur, sondern auch die Bewegungen der Heerhaufen verblieben da und bildeten sich nun weiter aus. Infanterie schien noch wenig zum Angriff zu kommen, desto häufiger und gewaltsamer waren die Anläufe der Kavallerie. Murat führte sie an in Person, man vermutete aber auch den Kaiser dort. Ungeachtet der wogenden Bewegungen einzelner Haufen stand das Ganze beider Parteien fest bis nach zehn Uhr.“

Am 17. Oktober machte Napoleon ein Waffenstillstandsangebot, das nicht beantwortet wurde. Am 18. mußte der linke französische Flügel auf Leipzig zurück, während der rechte sich in den überaus erbitterten Kämpfen um Probstheida mit Mühe hielt. An diesem Tag gingen einige Abteilungen sächsischer und württembergischer Truppen von Napoleon zu den Verbündeten über. Am 19. erstürmten die Verbündeten das hartnäckig verteidigte Leipzig, dessen Bewohner, seit langem hungernd und bedrängt, in den Kellern kauernd die Kanonade über sich ergehen ließen. Dann zogen die Franzosen sich zurück. Unter den Gefangenen, welche in die Hände der Verbündeten fielen, befand sich auch der König von Sachsen, ein ergebener Bewunderer Napoleons. Er wurde nach Berlin gebracht.

Nach dem Abzug der französischen Armee kamen bald darauf auch der Kaiser des Russischen Reiches, der König von Preußen und der Kronprinz von Schweden in die Stadt gezogen. Der allgemeine Jubel ließ eine Zeit lang das entsetzliche Elend vergessen, das die große Menge von Verwundeten und Kranken in der Stadt verursachte. Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden Seiten schwere Verluste zur Folge: Die Preußen zählten 16.000 Mann und 600 Offiziere als tot oder verwundet, die Kaiserlich Russische Armee 21.000 Mann und 860 Offiziere, die Österreicher 14.000 Mann und 400 Offiziere. Auf französischer Seite wurden 38.000 Mann getötet oder verwundet, 15.000 Franzosen gerieten in Gefangenschaft. Sie verloren 300 Geschütze und ließen 23.000 Mann verletzt in den Lazaretten zurück. Viele der verwundeten Soldaten auf beiden Seiten starben in den folgenden Tagen aufgrund ihrer Verletzungen, des Fehlens ärztlicher Versorgung und der ungenügenden hygienischen Maßnahmen. Nach der Schlacht grassierte in Leipzig eine Typhus-Epidemie, an der zahlreiche Verwundete und Leipziger Einwohner starben.

Durch die Schlacht waren Napoleons Machtambitionen auf deutschem Gebiet endgültig gescheitert. Nur 100.000 Mann zogen sich mit ihm aus Deutschland zurück. Weitere 80.000 Franzosen waren als Garnisonskräfte in den belagerten Festungen festgesetzt und damit ebenfalls verloren. Die Königreiche Bayern und Sachsen hatten in letzter Minute die Seite gewechselt und waren damit ebenfalls als Verbündete verloren. Auch die Schweiz erlaubte den vorrückenden alliierten Armeen freie Passage. In dem Moment, als sich das französische „Empire“ in Unordnung befand, bot Fürst Metternich Napoleon einen Frieden unter milden Umständen an, der Frankreich in seinen natürlichen Grenzen belassen sollte. Napoleon lehnte diesen unter Verkennung der Umstände ab. Zu Jahresbeginn 1814 begann der alliierte Vorstoß nach Frankreich, der schließlich Napoleon stürzen sollte.

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