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Auch 50 Jahre danach: Mord verjährt nicht

Von Andreas Raffeiner

Luis Amplatz um 1959Luis Amplatz kam am 28. August 1926 im Bozener Stadtteil Gries auf die Welt und wurde am 7. September 1964, also vor fast 50 Jahren, durch einen bis heute ungeklärten Mord aus dem Leben gerissen. In den 1950er- und 60er-Jahren setzte sich der Süd-Tiroler, der bereits als Kind und Heranwachsender die brutale, faschistische Assimilierungspolitik kennenlernte und von ihr geprägt wurde, für seine Heimat ein. Zeitlebens hat Amplatz hart gearbeitet, um sich, seiner Frau und seinen Kindern ein Zuhause aufzubauen.

So war Luis Amplatz, der nach dem Zweiten Weltkrieg auch zu den Vätern der wiedergegründeten Schützenkompanie „Josef Eisenstecken“ in Gries bei Bozen gehörte, schon 1958 gemeinsam mit dem Frangarter Kaufmann Sepp Kerschbaumer und dem Waltener Schmied Jörg Klotz Gründungsmitglied des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS), der mit gezielten Anschlägen das Süd-Tirol-Problem weltweit bekannt machen wollte. Amplatz selbst war an der sogenannten „Feuernacht“ und anderen, zahlreichen Sprengstoffanschlägen gegen Einrichtungen des italienischen Staates und faschistische Denkmäler, aber auch an bewaffneten Angriffen auf Polizeieinheiten mit von der Partie. Nach seiner Verhaftung durch die italienische Polizei entkam Amplatz der Haft durch eine spektakuläre Flucht über die Berge ins Vaterland Österreich und wurde 1964 in Abwesenheit wegen Terrorismus zu 25 Jahren Kerker verurteilt.

Im Sommer 1964 kehrten Jörg Klotz und Luis Amplatz dann heimlich wieder nach Süd-Tirol zurück. Mit von der Partie war auch der Nord-Tiroler Christian Kerbler, der nach heutigem Erkenntnisstand ein Agent des italienischen Geheimdienstes war. Als das Trio nach einem langen Fußmarsch im Passeiertal in der Heuhütte Brunner Mahder oberhalb von Saltaus übernachtete, zückte Kerbler eine Waffe und tötete den Grieser Freiheitskämpfer im Schlaf. Klotz, von den Schüssen wach geworden, überlebte diesen feigen Mordanschlag schwer verletzt und konnte mit einer Kugel in der Brust und einer Wunde im Gesicht zu Fuß nach Österreich fliehen.

Amplatz‘ Mörder wurde fünf Jahre später von einem italienischen Geschworenengericht wegen Mordes und Mordversuchs zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bis heute wurde er nie gefaßt, obwohl er in London bei einem Ladendiebstahl verhaftet wurde. Man kann in einem vereinten Europa wie dem heutigen wohl kaum verstehen, weshalb Italien immer noch keine Auslieferungshaft angeordnet hat. Diese nebulösen geheimdienstlichen Affären haben dem italienischen Staat mehr Schaden zugefügt, als es die Süd-Tirol-Aktivisten je vermocht haben.

An die 20.000 Menschen gaben Luis Amplatz das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Bozener Friedhof in Oberau. Österreichs Unterrichtsminister Drimmel schrieb in einem ergreifenden Nachruf, daß das Begräbnis so etwas wie eine Generaldecharge über das stille Grab in den Bergen gewesen sei.. Auf dem Grabstein von Luis Amplatz steht sein Leitspruch „Freund, der du die Sonne noch schaust, grüß mir die Heimat, die ich mehr als mein Leben geliebt.“

Aus dem Passeiertal, aus Lana, dem Sarntal, dem Ritten und anderen Süd-Tiroler Landesteilen waren Trauergäste in Tracht gekommen. Jedoch wurde ihnen der Eingang in den Friedhof von italienischen Polizeibeamten verwehrt. Alle Vermittlungsversuche brachten kein Ergebnis. Daraufhin beteten die Ausgesperrten laut einen Rosenkranz nach dem anderen, bis die Beerdigung vorüber war und die anderen Menschen aus dem Friedhof strömten. Als der letzte den Friedhof verlassen hatte, schloß die Polizei die eisernen Gitter. Junge Männer kletterten jedoch darüber, und als die Ordnungskräfte einschritten, kam es zu tumultartigen Szenen, bei denen einige Beamte verletzt wurden. So konnten die vorher Ausgesperrten in einem langen Zug zur letzten Ruhestätte von Amplatz strömen und ihm als einem der treuesten Söhne seiner Heimat Lebewohl sagen.

Auch 50 Jahre nach dem ungesühnten Mord an Luis Amplatz sind seine Worte zielführender denn je. Sein allzu früher Tod ist nicht umsonst, denn auch heute gibt es im südlichen Tirol mutige Frauen und Männer, die sich mit friedlichen Mitteln für die Wiedervereinigung Tirols einsetzen. Und außerdem: Mord verjährt nicht, auch nicht nach 50 Jahren. (DE 7/8 2014)

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