Angeklagt: Der Mensch
von Savitri Devi
Anthropozentrische versus biozentrische Weltsicht
Gelesen von Sebastian Maaß
Regin-Verlag, 2005, 224 Seiten € 19,50
Zwischen Ökologie und rechter Utopie
Die Philosophin Savitri Devi (1905–1982) ist selbst in rechten Kreisen nur wenigen ein Begriff. Sie wurde unter dem bürgerlichen Namen Maximine Portaz im französischen Lyon geboren. Nach ihrer Promotion in Philosophie ließ sie sich in Indien nieder und nahm den Namen Savitri Devi an. Während des Zweiten Weltkrieges vertrat sie in Indien die Sache der Deutschen. 1945 zunächst entmutigt, ging Savitri Devi zum Gegenangriff über und begann ihre Apotheose und Mythifizierung Hitlers. Auf diesen Hitlerismus wird die Philosophin heute weitgehend reduziert. Dies ist bedauerlich, da hierdurch faktisch keine Rezeption ihres ebenso facettenreichen wie synkretistischen Denkens stattgefunden hat.
Die jüngst erschienene radikale Streitschrift „Angeklagt: der Mensch“, auf Englisch erstmals 1959 veröffentlicht, ist ein Generalangriff auf die Selbstvergottung des Menschen. Mit welchem Recht rodet er Wälder, betreibt er Schlachthäuser, führt er Tierversuche durch? Das Grundübel, argumentiert Savitri Devi, ist der Anthropozentrismus, also die Menschheitsideologie, nach welcher der Mensch im Kosmos eine herausgehobene Stellung einzunehmen das Recht habe. In verblüffender Weise weist die Autorin nach, daß diese Ideologie fast überall auf der Welt vorherrscht und unser aller Denken beeinflußt. Im Rahmen ihres dem entgegengehaltenen biozentrischen Weltbildes – also einer Sichtweise, bei der nicht der Mensch, sondern das Leben selbst im Mittelpunkt steht – skizzierte Savitri Devi eine „ideale Welt“, die sicherlich ein Kuriosum der neueren Ideengeschichte darstellt; so plädierte sie etwa für eine starke Reduzierung der Weltbevölkerung.
Der Langessay „Angeklagt: der Mensch“ mit seinen gut lesbaren 222 Seiten ist nicht nur für Naturschützer, Vegetarier und Tierrechtler äußerst aufschlußreich. Auch ideengeschichtlich und metapolitisch ist das Buch mit seinem antiegalitaristischen Standpunkt und seiner zeitlosen Argumentation hochinteressant.