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Amazon nimmt Antaios-Bücher aus seinem Angebot

Wie weiter: amazon.de und 12 gestrichene Antaios-Titel

Von Götz Kubitschek

Der Internet-Buchändler amazon hat – obwohl ein Privatunternehmen aus den USA – den Status eines Quasi-Monopolisten erlangt: Selbst Buchhändler recherchieren lieferbare Titel und mögliche Empfehlungen über diesen Giganten mit der blendend organisierten Internet-Präsenz. Am vergangenen Mittwoch hat amazon 12 Titel meines Verlags Antaios aus seinem Sortiment gestrichen. Für die Öffentlichkeit existieren sie nicht mehr.

Der Schnitt erfolgte nicht aus wirtschaftlichen oder organisatorischen Gründen: Titel wie Polen 1939 von Stefan Scheil, Die liberale Gesellschaft und ihr Ende von Manfred Kleine-Hartlage, Verlorene Posten von Richard Millet oder Sieben Reiter von Jean Raspail gehörten zu den gut bis sehr gut verkauften Titeln, um die sich außerdem eine lebhafte Diskussion spann. Bestellungen von amazon bearbeiteten wir binnen eines Tages – wer je bei Antaios bestellt hat, weiß, daß wir rasch und sorgfältig verpackt liefern.

Es liegen also ohne Zweifel politische Gründe für die Streichung der Titel vor. Durch zwei schriftlichen Anfragen an amazon konnte ich klären, daß es sich nicht um ein technisches Versehen handelte, sondern daß gewisse „Kriterien“ und „Richtlinien“ verletzt seien und amazon entschieden habe, die Titel aus dem Programm zu nehmen. Meiner Aufforderung, mir schriftlich jene Kriterien und Richtlinien zu nennen und mir dadurch die Verbesserung meines Angebots zu ermöglichen, kam amazon nicht nach. Es muß sich also um Kriterien handeln, die in den Büchern selbst liegen.

Ein befreundeter Rechtsanwalt, der eine gewisse Erfahrung mit derlei Fällen hat, bestätigte meinen Verdacht, daß es sich um einen politischen Akt handle. Er riet außerdem davon ab, auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) den Rechtsweg zu beschreiten: Durch mehrere Urteile sei klargemacht worden, daß das AGG – obgleich es Diskriminierung auch aus Gründen der „Weltanschauung“ zu verhindern vorgibt – auf politisch positionierte Akteure keine Anwendung finde. Die Chancen auf einen juristischen Erfolg gegen ein Privatunternehmen seien außerdem denkbar schlecht, und der Streitwert werde erfahrungsgemäß so hoch angesetzt, daß mein Verlag aufgrund fehlender Mittel die Rechtsmittel anzuwenden wohl nicht in der Lage sei.

Wie weiter? Da es sich bei amazon nicht um ein Gemüsegeschäft handelt, sondern um den Quasi-Monopolisten in Sachen Bücher, haben die Streichungen dramatische Auswirkungen: Es gehört zum Wesen eines Monopolisten, daß die Kunden einer solchen Machtfülle so etwas wie neutrale, ausgewogene Kompetenzen zuschreiben. Was wikipedia auf dem Feld des Wissens und google für das Suchen und Finden sind, ist amazon im Bereich des Buchs: eine Instanz, der Millionen Nutzer vertrauen und gegen die anzurennen etwas von Halsstarrigkeit und mangelnder Fähigkeit zur Selbstkritik hat. Warum soll sich die Masse irren, warum sollen wir als vereinzelte Kritiker Recht haben?

Wenn selbst Gymnasiallehrer wikipedia-basierte Arbeiten akzeptieren und Unternehmen bei den Quasi-Monopolisten im Netz Recherchen über das Vorleben ihrer Bewerber anstellen – ohne die Kriterien und Richtlinien, die Hierarchien und Zensurmechanismen zu hinterfragen – wird nur jeder 10. Kunde jenseits von amazon nach Antaios-Büchern recherchieren, wenn er sie dort nicht findet.

Nicht zu reden von den Zufallskunden: Weil Richard Millets Verlorene Posten jedem mitempfohlen wurden, der nach Sarazins neuem Buch suchte, haben wir den Millet in den vergangen Wochen recht gut verkauft. Nun entgehen uns diese Verkäufe, mithin: diese Kunden, die auf uns stoßen, weil wir gute Bücher gut plazieren konnten.

Noch einmal: Wie weiter? Mir bleibt zunächst, einige Briefe an amazon zu schreiben und zu versuchen, etwas über die Hintergründe der Streichungen zu erfahren. Sodann muß ich die Verluste abfangen, finanziell und ideell.

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